Start-up des Monats

19.12.2018

Kitext GmbH (Privalino)

In der Anonymität des Internets lauern vor allem für Kinder zahlreiche Gefahren. In Chats von Online-Spielen und anderen Apps kommunizieren Kinder häufig mit fremden Chatpartnern, hinter denen sich sogenannte Cyber-Groomer verstecken können. Das sind Personen, die sich in Chats als Kinder ausgeben um mit Minderjährigen sexuelle Kontakte anzubahnen. Wird die Unterhaltung in anderen Messenger-Diensten verlagert, kommt „Privalino“ zum Einsatz. Die Instant-Messenger-App soll Kinder beim Chatten mit Fremden schützen, indem sie gefährliche Muster im Chatverlauf erkennt und bei Verdacht eine Warnung ausspricht. 

Der Informatiker Dr. Nicolai Erbs und der Medienwissenschaftler Patrick Schneider sind die Gründer der Kitext GmbH und Entwickler von Privalino. Sie haben für die App einen Algorithmus entwickelt, der automatisch den Gesprächsverlauf hinsichtlich typischer Muster im Sprachstil analysiert. Bei Verdacht auf einen potentiellen Pädokriminellen alarmiert eine E-Mail die Eltern des Kindes und ermöglicht das Blockieren des Chatpartners.

Wir fragen Patrick, Mitgründer von Kitext GmbH, wie die Idee zu Privalino entstand und was die Anreize für eine Gründung waren, warum innovative Ideen im Bereich IT-Sicherheit so wichtig sind und was er den StartUps von morgen mit auf den Weg geben kann.

Eure Idee habt Ihr im Zuge des TU Ideenwettbewerbs entwickelt, bei dem Ihr sogar ein zweites Mal angetreten seid. Was hat Dich und Dein Team dazu bewogen, aus der Idee den Weg in die eigene Selbständigkeit zu wagen?

Nicolai, unser Ideengeber, hatte mit zwei Kollegen beim TU-Ideenwettbewerb von HIGHEST mitgemacht, einfach nur um zu schauen, wie seine Idee ankommt und ob sie vielleicht sogar zukunftsfähig ist. Der Wettbewerb hat ihm dann gezeigt, dass die Idee nicht „ganz Quatsch“ ist und dann überlegt, ein StartUp daraus zu machen. Seine bisherigen Teammitglieder hatten dann aber andere Pläne, also musste er neue Mitgründer für seine Gründungsidee finden. Nicolai hat in Darmstadt promoviert und einen Lehrauftrag in Duisburg angenommen. Zurück in Darmstadt hat er dann Teammitglieder gesucht, in dem er sich in seinem Netzwerk, z.B. bei seinem Doktorvater, umgehört hat. Zunächst hat er Teammitglieder im Bereich Marketing und BWL gesucht und durch einen gemeinsamen Kontakt kam ich dann ins Team. Erst war ich unsicher und dann dachte ich: „Ach, warum nicht!“. Mein persönlicher Anreiz bei Privalino dabei zu sein war, dass ich etwas Sinnvolles nach meinem Studium machen wollte – es kamen natürlich auch viele andere Optionen in Frage. Und dann ging es los: Im April 2016 haben wir uns entschlossen ein Unternehmen zu gründen und auch Fördermittel zu beantragen, damit wir in Ruhe an unserem Projekt arbeiten können. Also haben wir das EXIST-Gründerstipendium beantragt und waren dabei auch erfolgreich.

Viele Ideen potentieller Gründerinnen und Gründer bleiben aus Angst vor dem Scheitern im Verborgenen. Was rätst Du den Start-ups von morgen, dennoch den Weg zu einer Neugründung zu wagen und was ist der richtige Zeitpunkt für diesen Schritt? 

Der richtige Zeitpunkt für eine Gründung ist natürlich sehr individuell. Wenn ich jetzt nochmal so darüber nachdenke, dann wäre für mich auch eine Gründung während des Studiums in Frage gekommen – viele haben gerade in dieser Phase die Zeit dafür. Und wenn es nicht gleich eine Gründung ist: Es kann auch erstmal ein Projekt sein, das du in deiner freien Zeit machst und dich dadurch so langsam auf eine potentielle Gründung vorbereitest. Zu gegebener Zeit ist es dann sinnvoll, zu einer Gründungsberatung oder Wirtschaftsförderung zu gehen um ein Feedback zu erhalten. So erfährst du, ob deine Gründungsidee sinnvoll ist und was die nächsten Schritte sein könnten um das Vorhaben umzusetzen. Ein wesen­tlicher Sprung aus der Sicherheit heraus ist dann der Zeitpunkt, an dem man sich entscheidet, seine Zeit ausschließlich dem Gründungsprojekt zu widmen. Selbst wenn die Idee wieder später wieder verworfen wird – man lernt sehr viel dabei. Vermutlich mehr als in einem in einem Traineeship oder bei einer Werkstudententätigkeit in einem großen Unternehmen. Was das Scheitern angeht: die davor ist durchaus berechtigt. Deshalb ist es eine gute Einstellung sich vor Augen zu führen, dass es neben den ganzen Erfolgsstories auch zahlreiche StartUps gibt, die sang- und klanglos wieder verschwunden sind. Ich finde, dass oft ein falsches Bild der StartUp Szene vermittelt wird. Aber: Es muss nicht gleich die eigene Idee oder Unternehmensgründung sein. Wenn du dich für‘s Gründen interessierst, dann stecke deine Nase ein halbes Jahr oder Jahr in ein StartUp. Dort wird dir in der Regel viel Verantwortung übertragen und wenn du mal Fehler machst, dann ist das halt so. Es hilft dir auf jeden Fall dabei festzustellen, ob die Arbeit im StartUp das Richtige für dich ist, bevor du dich zu einer eigenen Gründung entschließt.

Die Idee, Kinder bei der Online-Kommunikation zu schützen, trifft den Nerv der Zeit. Warum werden Deiner Meinung nach auch in Zukunft innovative Ideen aus dem Bereich IT-Sicherheit gebraucht?

Die steigende digitale Vernetzung unserer Welt erfordert eine starke Erhöhung unserer Sicherheit. So gibt es immer mehr Möglichkeiten für jeden Menschen auf der Welt, auf andere Menschen einen Einfluss zu nehmen – und das nicht nur auf eine positive Weise. Zum Beispiel bei einem Hackerangriff eines Unternehmens aus einem anderen Teil der Welt oder Cybermobbing in sozialen Netzwerken. Für Gründungen im Bereich IT-Sicherheit gibt es im sozialen Bereich viele Potentiale, so wie auch Privalino eine Lösung für diesen Bereich anbietet. Dann sehe ich Potentiale in der Industrie 4.0, in der wir uns darauf verlassen müssen, dass das Netz funktioniert. An Stellen wo ein Netz aufgebaut wird gibt es auch immer Schwachpunkte und an diesen werden Si­cher­heits­lö­sun­gen benötigt. Generell gilt für technologische Innovationen, dass die Sicherheit mitbedacht werden muss und zwar bereits bei der Entwicklung.

Was sind bei Privalino die nächsten Schritte?

Wir beschäftigen uns kontinuierlich mit der Weiterentwicklung der App. Nun könnten uns ein paar gute Kontakte helfen, die bei denen wir unsere Technologie vielleicht integrieren können. Ansonsten versuchen wir unseren Messenger Privalino noch weiter zu verbreiten und mehr Eltern und Kinder zu erreichen!

Wir freuen uns wieder von Euch zu hören. Vielen Dank für das interessante Interview, Patrick!

Mehr über Privalino erfahrt Ihr hier

Das Erklärvideo zu Privalino gibt es hier

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